Fausto Amundarain
29.05.2026 – 10.07.2026
forever wildchild
Galerie Heike Strelow
In den Werken von Fausto Amundarain ist die Collage sichtbar – aber nicht im klassischen Sinne. Kein ausgeschnittenes Papier, kein montiertes Fragment. Was das Auge als Collage erkennt, entsteht vollständig durch malerische Mittel: Schichtung, Fragmentierung, das bewusste Nebeneinander von Bildwelten. Ausgangspunkt sind Bilder aus der Welt der Comics – einem kollektiven Bildgedächtnis der Populärkultur. Amundarain übernimmt nichts direkt. Er extrahiert Strukturen, Rhythmen, Spannungsmomente und überführt sie in eine eigene Sprache. Airbrush, Siebdruck, Transfertechnik: jedes Verfahren bringt seine eigene Ästhetik mit, Acrylfarbe verbindet sie alle. Was dabei entsteht, ist handwerklich brillant – und wirft zugleich eine grundlegende Frage auf: Was ist Kreativität, wenn nicht die Fähigkeit, Vorhandenes so zu transformieren, dass etwas Unerwartetes entsteht?
Diese Transformation vollzieht sich auch inhaltlich. Schichten, Fragmentierungen und Trompe-l’œil-Elemente verschieben die Grenzen zwischen Fläche und Räumlichkeit, Bild und Objekt. Die Gemälde erscheinen als theatrale Räume, als filmische Schauplätze, in denen Identitäten konstruiert, verborgen und wieder aufgelöst werden. Wie nutzen Menschen Rollen, Bilder und Symbole, um sich zu schützen oder neu zu erfinden? Identität erscheint nicht als fester Zustand, sondern als etwas Performatives. Figuren bewegen sich, fliehen, verschwinden hinter Projektionen oder suchen Zuflucht in erfundenen Personas.
Zugleich öffnet Amundarain einen zutiefst persönlichen Bildraum. Kinderzeichnungen, frühe Wandmalereien und archivierte Spuren der Vergangenheit werden zu Ausgangspunkten einer nach innen gerichteten Erkundung. Erinnerungen tauchen in Fragmenten auf und bleiben bewusst unvollständig. Sichtbar wird kein lineares Narrativ, sondern ein Prozess des Aufdeckens, Revidierens und Wiederaneignens.
Der italienische Begriff attrezzo – Requisite, Werkzeug, Bühnenelement – gibt der Ausstellung ihren Titel und ihre Metapher. Bei Amundarain wird die Requisite zum Bild für die Konstruktion von Identität, Erinnerung und sozialer Sichtbarkeit. Darin liegt auch eine unerwartete Verwandtschaft mit künstlicher Intelligenz: Auch KI schöpft aus gespeicherten Mustern und Strukturen und erzeugt daraus etwas Neues. Doch während die Maschine kombiniert, entscheidet die Hand – und in der Hand liegt die Macht.
Galerie Heike Strelow
Lange Str. 31
60311 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten
Mi – Fr 12 – 18 Uhr
Sa 12 – 15 Uhr