servusparadies – wie geht’s?
26.06.2026 – 31.07.2026
Willi Bucher
Galerie 3AP
Anknüpfend an die Ausstellung Metamorphosis (2024) in Düsseldorf, die Werke aus Willi Buchers gelber Werkgruppe zeigte, führt die aktuelle Ausstellung den dort begonnenen Dialog fort und richtet den Blick auf die Werkreihe Sprachlandschaften sowie auf Arbeiten, in denen Malerei, Sprache und Raum einander durchdringen.
Im Zentrum steht das Diptychon „servusparadies – wie geht's?“ aus der Serie Sprachlandschaften, die seit den 1990er-Jahren entsteht. Bucher verbindet Malerei und Druck zu vielschichtigen Bildoberflächen, auf denen Sprache weniger gelesen als gesehen wird. Wörter werden zu Spuren, Rhythmen und bildnerischen Strukturen. Zwischen Konkreter Poesie und Malerei öffnen sich Bildräume, in denen Sprache zur Landschaft und das Bild zum Auslöser von Assoziationen und Vorstellungen wird.
Das Werk „Ohne Titel“ aus der gelben Werkgruppe macht Farbe selbst zum Ereignis. In zahlreichen übereinanderliegenden Malschichten verdichtet sich Zeit als sichtbarer Prozess. Der freigelegte Streifen des Bildträgers verweist nicht auf Vollendung, sondern auf die Geschichte des Malens selbst.
Einen weiteren Schwerpunkt bildet das Gemälde „Heroisch Hoffnungslos“, das sich dem Motiv des Gehens und Schreitens widmet. Die Frage aus dem Titel des Diptychons „servusparadies – wie geht's?“ erhält hier eine weitere Bedeutungsebene: Es geht nicht nur um ein Befinden, sondern auch um das Gehen selbst: als Bewegung, Aufbruch und Form der Welterfahrung. Der tschechische Dichter und Mediziner Miroslav Holub formuliert mit der Aufforderung „Geh und öffne die Tür“ eine Haltung, die auch Buchers Werk durchzieht. Paradies erscheint dabei nicht als erreichbarer Ort, sondern als etwas, das sich erst im Unterwegssein, im Sehen und im Denken entfaltet.
Seit Jahrzehnten verbindet Willi Bucher Malerei, Sprache und digitale Bildprozesse. Bereits in den 1990er-Jahren erforschte er das Zusammenspiel von analoger Malerei und digitalem Denken; nicht als technisches Experiment, sondern als Untersuchung der Bedingungen, unter denen Bilder entstehen, Bedeutung hervorbringen und unsere Wahrnehmung prägen. In einer Gegenwart, in der digitale Bildwelten unseren Blick auf die Welt zunehmend bestimmen, gewinnen diese Fragestellungen eine neue Aktualität.
Mit den beboxx-Objekten und der im Luftschutzraum installierten Videoarbeit „Putzkonzert“ erweitert Bucher diese Fragestellungen in den Raum. Das Wischen erscheint als Handlung zwischen Sichtbarmachen und Auslöschen, zwischen Reinigung und Auflösung. Der ehemalige Luftschutzraum bildet dabei den Gegenpol zum offenen Galerieraum und verdichtet das Motiv des Paradieses zu einem Ort der Vorstellung: einem Raum zwischen Erlösung und Verlust, in dem sich Bilder, Bedeutungen und Gewissheiten fortwährend verändern. Zwei Projektionen auf Glasbausteine und eine weiße Leinwand greifen das Thema des Weiß auf. Licht wird zum Bildträger, Weiß zum poetischen Möglichkeitsraum: als Projektionsfläche für Reinheit, Übergang und das Flüchtige.
So erscheint das Paradies nicht als erreichbarer Ort, sondern als offener Denk- und Wahrnehmungsraum. Die Ausstellung versteht Malerei als Medium des Sehens und Denkens, ebenso als Einladung, den Blick zu verlangsamen und im Betrachten immer neue Beziehungen zwischen Bild, Sprache und Raum zu entdecken.
Exhibition view »servusparadies – wie geht’s?« – Willi Bucher. Courtesy: the artist and Galerie 3AP/Frankfurt a.M.
Galerie 3AP
Brückenstraße 76
60594 Frankfurt am Main
E-Mail: mail@galerie-3ap.de