TJARK IHMELS
12.06.2026 – 18.07.2026
HEUTE SPRECHEN WIR HEILIG
Galerie Greulich
Ab heute sprechen wir heilig. — Tjark Ihmels zeigt seine neue Einzelausstellung in der Galerie
Greulich, Frankfurt, vom 13. Juni bis 18. Juli 2026; eröffnet wird sie am 12. Juni im Rahmen des
Vernissagenrundgangs der GalerienFrankfurtMitte.
Der Titel klingt nach Proklamation und ja, da schwingt eine Ironie mit, auf den Geniekult, der seit
der Romantik an der Kunst klebt wie eine zweite Haut. Aber Ihmels meint mehr damit, und er
meint es ernst: das Heilige als das, was sich dem Zugriff entzieht, das Transzendente im
Alltäglichen, die Erkenntnis, dass jeder Tag heilig gesprochen werden darf, eben weil das Leben
es ist.
Wer bin ich eigentlich? Wie sehe ich mich, und wie sehen mich andere? Welches Bild gebe ich ab,
welchem Bild will ich entsprechen? Das sind die Fragen, die Tjark Ihmels in seiner Malerei
umtreiben und das seit Jahren, konsequent, ohne dass er sie je beantwortet. Die menschliche
Figur ist sein Mittel: eine Form, die sich selbst hinterfragt, im Schweben, im Fluss, nirgendwo
wirklich festzumachen. In den neuen Bildern löst sich der Raum um die Figuren in malerische
Flächen auf, Hintergrund und Figur verschmelzen, und man fragt sich, wo das eine aufhört und
das andere anfängt. Das Wasser kommt hinzu als Spiegelung und Verdopplung. Die Oberfläche
als Ort, an dem das eigene Bild immer auch ein anderes ist. Diese Selbstbefragungen lässt Ihmels
im Raum stehen, weil Malerei sie stellen, aber nicht (er-)klären muss.
Neu in dieser Werkgruppe sind kleine Anrisse von Landschaft und Stadt: Hügel, Häuser,
Andeutungen mediterraner Orte, die Toskana vielleicht. Sehnsucht und Melancholie wird hier
gleichermaßen evoziert. Sie fügen sich zu keiner Erzählung, sind einfach da, wie Erinnerungen,
die man nicht ganz greifen kann. Auch das ist eine Form des Heiligen: etwas, das man sehen darf,
aber nicht festhalten, geschweige denn richtig begreifen kann. Ihmels, 1963 in Leipzig geboren, Meisterschüler bei Prof. Arno Rink an der HGB Leipzig, kenntbeide Seiten des Bildes: Er wurde als Medienkünstler international ausgezeichnet —
Medienkunstpreis der Stadt München, Honorable Mention der Ars Electronica — und lehrt an der
Hochschule Mainz für Zeitbasierte Medien. Die Entscheidung zurück zur Malerei war auch eine
Entscheidung für Langsamkeit: nicht als Haltung gegen das Digitale, sondern als Bedingung
dafür, dass ein Bild wirklich atmet. Im digitalen Zeitalter, das uns trainiert hat, Bilder in Sekunden
zu konsumieren und weiterzuwischen, malt Ihmels Bilder, die einen aufhalten. Die etwas in einem
auslösen, ohne dass man sofort wüsste, was. Ihmels selbst nennt das den Sog — und der Sog ist
das eigentliche Ziel.
Die Galerie Greulich zeigt Tjark Ihmels seit 2009 in Frankfurt. Was in dieser Zeit sichtbar wird, ist
keine Unruhe, sondern eine konsequente Vertiefung: dieselben Grundfragen, immer neu befragt,
immer anders ins Bild gesetzt. Ab heute sprechen wir heilig. stellt Ihmels zentrale künstlerische
Fragen in ein neues Licht. Wer einmal vor diesen Bildern gestanden hat, weiß, warum man
zurückkommt und wieso Malerei auch im Jahre 2026 noch längst nicht tot ist.
Galerie Greulich
Fahrgasse 22
60311 Frankfurt am Main
T. +49 69 680 961 29 I +49 172 102 50 73
E. info@galerie-greulich.de