Where Time Settles
25.08.2026 - 16.10.2026
Koo Bona, Philipp-Emanuel Eyrich
Bode Galerie
Bona Koo x Philipp-Emanuel Eyrich - Where Time Settles
Jedes Material trägt seine eigene Geschichte in sich. Es bewahrt Spuren geologischer Prozesse, menschlicher Eingriffe und natürlicher Veränderungen und wird damit zum Träger von Erinnerung, Zeit und Transformation. Die Ausstellung versammelt zwei künstlerische Positionen, die Material nicht als bloßes Mittel der Formgebung verstehen, sondern als eigenständigen Bedeutungsträger. Aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten heraus entwickeln die südkoreanische Künstlerin Koo Bona und der deutsche Bildhauer Philipp Emanuel Eyrich Werke, in denen sich Natur und Konstruktion, Dauer und Wandel sowie organisches Wachstum und menschliches Gestalten in einem vielschichtigen Dialog begegnen.
Die Arbeiten von Koo Bona entstehen in einem langsamen Prozess des Schichtens und Verdichtens. Tusche dringt tief in das traditionelle Hanji-Papier ein und bildet einen dunklen Bildgrund, aus dem Fossilien, Pflanzenformen und geologische Strukturen hervortreten. Gold- und Silberpigmente erzeugen dabei keine dekorativen Akzente, sondern markieren Übergänge zwischen Licht und Dunkelheit, Vergangenheit und Gegenwart. Das Fragment wird zum Sinnbild einer Welt, die sich fortwährend verändert und dennoch Spuren ihres Ursprungs bewahrt. Koo versteht Natur nicht als Landschaft im klassischen Sinne, sondern als lebendigen Kreislauf, in dem Werden und Vergehen untrennbar miteinander verbunden sind.
Auch Philipp-Emanuel Eyrich begreift Material als Speicher von Geschichte. Seine aus Beton geformten Vasen erinnern gleichermaßen an archaische Felsformationen und an die klare Formensprache brutalistischer Architektur. Als eine der ältesten Objektformen der Kunstgeschichte wird die Vase ihrer ursprünglichen Funktion enthoben und als autonome Skulptur neu gedacht. Ihre Oberflächen tragen die Spuren manueller Bearbeitung; Licht und Schatten modellieren die Reliefs immer wieder neu und verleihen den massiven Körpern
eine überraschende Lebendigkeit. Eyrich verbindet natürliche Wachstumsprozesse mit menschlicher Konstruktion und untersucht die fragile Balance zwischen organischer Entwicklung und gebauter Umwelt.
Im Dialog miteinander eröffnen beide Positionen unterschiedliche Perspektiven auf dieselbe grundlegende Fragestellung. Koo Bona verdichtet Zeit in feinen Schichtungen und transluziden Bildräumen, während Eyrich sie als physische Masse und räumliche Präsenz erfahrbar macht. Was bei Koo in der Tiefe des Papiers sedimentiert, tritt bei Eyrich als plastische Oberfläche hervor. Beide Künstler richten den Blick auf elementare Strukturen – Schichtungen, Erosionen, Verdichtungen und Wachstumsprozesse –, in denen sich die Wechselwirkungen zwischen Natur und Kultur, Vergänglichkeit und Beständigkeit manifestieren. Material wird dabei nicht lediglich zum Träger einer Idee, sondern selbst zum Ausdruck eines fortwährenden Wandels.
So entsteht eine Ausstellung, die weniger von Gegensätzen als von Resonanzen erzählt. Die Werke überschreiten geografische und kulturelle Grenzen und führen vor Augen, dass Erinnerung nicht allein im Menschen verankert ist, sondern ebenso in Materialien, Landschaften und ihren eingeschriebenen Spuren fortlebt. Zwischen Papier und Beton, Fläche und Körper entfaltet sich ein stiller Dialog über die Zyklen des Lebens und die unaufhörliche Transformation der Welt.