Underground
03.09.2026 - 20.10.2026
Roberto Barbosa
Galerie 3AP
Mit Underground präsentiert die Galerie 3AP die erste Einzelausstellung von Roberto Barbosa. Die Ausstellung erstreckt sich über den Galerieraum und den historischen Luftschutzraum des Hauses, der seit der Gründung der Galerie regelmäßig für ortsspezifische künstlerische Interventionen aktiviert wird. Zwischen beiden Räumen entfaltet Barbosa eine installative Choreografie, in der Architektur nicht als Hintergrund, sondern als Träger von Erinnerung, Imagination und körperlicher Erfahrung erscheint.
Barbosas künstlerische Praxis umfasst Video, Performance, Fotografie, Zeichnung sowie skulpturale Miniaturen und Architekturmodelle. Aus diesen entwickelt er räumliche Szenarien, die als Portale zwischen Realität und Fiktion, Erinnerung und Projektion fungieren. In seinen Videoarbeiten aktiviert er diese gebauten Welten performativ mit dem eigenen Körper. Architektur wird dabei zu einem Ort, an dem sich Identität, Begehren und Zugehörigkeit fortwährend neu verhandeln. Ausgehend von seiner Perspektive als queere Person entwirft Barbosa fiktionale Räume, die gesellschaftliche Normen hinterfragen und alternative Formen des Zusammenlebens imaginieren.
Im Zentrum der Ausstellung steht die Videoarbeit Nepantlera (2023), entstanden während einer Residency in Island. Ausgehend vom Nahuatl-Begriff nepantla – einem Schwellenraum zwischen materieller und spiritueller Welt – entwickelt Barbosa die Figur der Nepantlera als ein Wesen, das unterschiedliche Realitäten und Bewusstseinszustände durchquert. Der Körper erscheint hier als Medium der Transformation und Verbindung zwischen Natur, Spiritualität und sozialer Erfahrung.
Die fotografische Arbeit Mi Casa (2024) erweitert diese Auseinandersetzung um Fragen von Zuhause, Erinnerung und Selbstentwurf. Das Haus erscheint nicht als fester Ort, sondern als psychischer und emotionaler Raum, der sich durch Migration, Intimität und persönliche Geschichte immer wieder neu formiert. Barbosas Miniaturen greifen diese Themen auf: Als Modelle imaginierter Architekturen verbinden sie Objekt, Symbol und Raum und bilden den Ausgangspunkt für installative Konstellationen, in denen Maßstab, Materialität und räumliche Wahrnehmung kontinuierlich verschoben werden.
Mit Underground tritt diese Werkgruppe in einen unmittelbaren Dialog mit der Architektur der Galerie. Der historische Luftschutzraum wird Teil der räumlichen Erzählung und erweitert Barbosas Interesse an Schwellenräumen, Rückzugsorten und Prozessen der Transformation. Die Ausstellung versteht Architektur als lebendiges Gefüge, in dem Körper, Raum und Imagination einander wechselseitig hervorbringen.