SOLID GHOSTS
04.09.2026 - 17.10.2026
sophie constanze polheim, Harriet Rabe von Froreich
DER MIXER
SOLID GHOSTS untersucht die fragile Grenze zwischen virtueller und realer Welt – jene Schwelle, an der Körperlichkeit scheinbar irrelevant wird und doch immer wieder ihren Platz behauptet. In der Ausstellung treffen zwei künstlerische Positionen aufeinander, die auf sehr unterschiedlich Weise vom Körper, Technologie und Verkörperung erzählen.
Sophie Constanze Pohlheims Arbeiten entstehen u.a. aus verbrannten Autoteilen - Metall ähnlich einer Rüstung, deformierte Strukturen, die als Zeugnisse von Hitze, Zerstörung und Geschwindigkeit fungieren. Diese Fragmente kombiniert die Künstlerin mit Gebilden aus Rosshaar, die wie Werkzeuge der Berührung und zugleich der Verletzung wirken. Pohlheim verankert ihre Installationen in der griechischen Mythologie: Das Feuer, das ihre Materialien gezeichnet hat, verweist auf Prometheus, den Bringer der Flamme, der den Menschen die Technik schenkte – und dafür selbst einem ewigen Schmerz ausgesetzt wurde.
Die Werke oszillieren zwischen technologischem Fortschritt und körperlicher Verwundung. Autounfälle als moderne Rituale des Scheiterns, Spuren eines technoiden Übermuts, berühren hier die Bildsprache von Sadomaso-Praktiken: Schmerz, Disziplin, Grenzüberschreitung. Pohlheims Objekte besitzen eine massive körperliche Präsenz; sie sind zugleich Mahnmal und Metapher – Relikte einer Welt, in der Technologie nicht nur dient, sondern zeichnet, formt, verletzt.
Demgegenüber stehen Harriet Rabe von Froreichs Arbeiten, die die Schnittstelle zwischen digitaler Interaktion, Ritual und menschlicher Fürsorge beleuchten. Ihr Werk „Tarotbot“, entstanden während der Kontaktbeschränkungen der Corona-Pandemie, basiert auf einem Austausch über Instagram: Menschen schickten ihr Nachrichten, woraufhin die Künstlerin eine Tarotkarte für sie zog. Diese Karte rekonstruierte sie anschließend mit Alltagsgegenständen aus ihrem Haushalt – sie verkörperte also die Karte im realen Raum. Anschließend formulierte sie eine persönliche, intuitiv orientierte Deutung als kleine Lebenshilfe.
Ihre zweite Arbeit, „Sisybot“, verweist auf den Mythos von Sisyphos: Ein Programm auf einem altertümlichen Computer generiert endlose Kombinationen aus Buchstaben und Zahlen, um daraus potenzielle Mailadressen zu formen und an diese Nachrichten zu senden – ein absurdes, mechanisches Ringen um Kontaktaufnahme. In beiden Werken wird deutlich, wie von Froreich digitale Praktiken mit menschlichen Bedürfnissen nach Sinn, Kommunikation und Berührung verschränkt und sie in performative, körpernahe Formen überführt.