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Jan Dörre


  • Galerie Leuenroth 15 Fahrgasse Frankfurt am Main, Hessen, 60311 Deutschland (Karte)

FERNE FEUER

23.10.2026–28.12.2026
Jan Dörre
Galerie Leuenroth

Jan Dörre schöpft tief aus der europäischen Kunstgeschichte. So pflegt er die Technik altmeisterlicher Malerei, die seine feine Beobachtungsgabe und seinen Anspruch an detailreicher Gestaltung ideal verknüpft. Zudem sieht er sich jener traditionsreichen Gattung verpflichtet, die ihre Erzählung aus der geschickten Kombination symbolisch aufgeladener Gegenstände entwickelt, dem Stillleben. All dies unter Verzicht einer auktorialen Instanz, die diese Zuschreibungen moderiert. Damit erschließt sich das Bildprogramm freilich nur demjenigen, der diese Motivsprache zu entschlüsseln und zusammenzuführen vermag. Diesem aber blättert sich – nach christlich-kanonisierter Tradition – ein heilsversprechender Ratgeber auf. In der Moderne indes erobert sich das Genre das Recht auf die eigene Chiffre. Es behält zwar Attributionen bei, verweltlicht sie aber oder widmet sie um. Ein allgemeingültiges Regelwerk zur Ausdeutung der dargestellten Objekte als Vermittler übergeordneter Themenkomplexe ist damit abgeschafft. Nunmehr ist die eigene Assoziationskraft gefragt. 

Oder man wagt den Perspektivwechsel und taucht ein in Jan Dörres Stillleben wie in ein Schauspiel. Denn „Still“ meint keineswegs leblos, sondern „nur“ den Ausschluss menschlicher Repräsentationsfiguren aus der Szenerie. Und so bereitet Jan Dörre Tieren, bevorzugt Vögeln, aber auch Katzen, Reptilien und Insekten, eine Bühne. Landschaftliche und architektonische Details führen in Zeiten und Orte ein. So scheint angenehm die Nachmittagssonne auf eine in Terrakotta geflieste Terrasse herab, hieran angrenzend eine weiß gestrichene Hauswand mit blauen Einfassungen an Boden und „Fenster zum Hof“ (2025). Behagliche Trägheit verströmt sich in mediterranem Ambiente. Auf einem greigefarben gedeckten Esstisch schnuppert eine Katze an den Resten einer lokaltypischen Zwischenmahlzeit mit Brot, Oliven und fleischlosem Knochen. Aus einem Becher stakt eine Gabel heraus, präsentiert das Verletzungspotential ihrer Zinken recht offensiv. Die Stimmung ändert sich jäh. Und nun erblickt man auch den liegenden kanariengelben Vogel mit geschlossenen Augen. Ist er nur in Schockstarre oder wird die Idylle zum Tatort? 

Währenddessen trägt sich in „Milchkrug“ (2026) ein Kammerspiel zu: Vor pastellgelber Wand stapeln sich auf altrosafarbenem Grund zwei Bücher übereinander, gefolgt von einem hellgelben, blau gepunkteten Milchkrug. Auf diesem thront ein Finkenmännchen, der das hitzige Geschehen zu seinen Füßen beobachtet: Zu seiner Linken begegnet sich nämlich ein Hirschkäferpaar – mit hoch erhobenen Geweihen. Das in unmittelbarer Nähe abgelegte, eindeutig geformte Muschelgehäuse klärt zweifelsfrei über dessen Verhandlungsgegenstand auf. Doch bleibt offen, ob es sich hierüber einig ist oder diesen noch miteinander ausficht. Liebe und Krieg, der Stoff für Weltliteratur. (Antje Kraus)

Jan Dörre (*1967 in Arnstadt) studierte von 1991 bis 1996 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Malerei und Grafik bei Professor Sighard Gille. Anschließend absolvierte er von 1996 bis 1999 das Meisterschülerstudium. Seine Arbeiten sind in zahlreichen Sammlungen vertreten, u.a. Museum der bildenden Künste, Leipzig, Von der Heydt-Museum, Wuppertal, Drents Museum, Assen (NL), Albertina Modern, Wien (AT). Seit 1996 regelmäßig Ausstellungen im In- und Ausland, u.a. Einzelausstellungen in der Galerie der Stadt Tuttlingen, Emslandmuseum Schloss Clemenswerth, Kunstverein Rüsselsheim, Städtischen Galerie im Leeren Beutel in Regensburg und zuletzt im Kunstverein Münsterland. Jan Dörre lebt und arbeitet in Leipzig.

Galerie Leuenroth
Fahrgasse 15,
60311 Frankfurt am Main

E-Mail: info@galerieleuenroth.de
Telefon: +49 175 5617654


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