Digitalkunst vs. Installation & Skulptur
MEDUSEN: Brigitta Weimers Werkgruppe inszeniert eine Qualleninvasion als aktuelles Phänomen der Weltmeere im Anthropozän. (Galerie Maurer)
Digitale Kunst
Zunächst folgen wir dem mexikanischen Künstler Roberto Barbosa ins Reich der Nepantlera - einer Art Schwellenraum der aztekischen Semantik. Um in die Videoarbeit in Endlosschleife einzutauchen, müssen wir buchstäblich Underground gehen: Die Galerie 3AP verfügt unter ihren Galerieräumen unweit des Südbahnhofs über einen historischen Luftschutzraum, der Teil der räumlichen Erzählung ist.
Die Kölner Künstlerin Johanna Reich arbeitet mit Künstlicher Intelligenz, wobei sie lieber von Sprachmodellen spricht, denen sie eine Poesiesprache Hynthia antrainiert hat und diese als autonome Bots oder LED-Schriftbänder über hybride Malereien in den Räumen der Galerie Anita Beckers laufen lässt. Unweit davon in der Fahrgasse, im DER MIXER, können Sie zwei Bots von Harriet Rabe von Froreich begegnen: dem Tarotbot, der Instagram-Usern eine Tarotkarte legt, sowie Sisybot, der wahllos E-Mail-Adressen generiert und Nachrichten an sie versendet - ein absurdes, mechanisches Ringen um Kontaktaufnahme.
Weiter am Weckmarkt 3 befindet sich die auf osteuropäische Kunst spezialisierte Galerie Schugar Rotariu. Die gemalten Bildwelten Stefan Ungureanus sind weniger digitale Kunst, greifen dafür die pastellige Sci-Fi-Ästhetik der Games-Kultur auf und verarbeitet darin Hoffnung und Enttäuschung nach der 89er-Revolution. Erweitert wird das Spektrum durch medienreflexive Positionen über Architektur und Stadtentwicklung in den Sammlungsräumen der Kunststiftung DZ BANK.
Installation, Skulptur & Keramik
Mit einer besonderen Nische - der Pause - beschäftigt sich das Berliner Künstlerinnen-Duo Hauck und Plümpe (FILIALE), das sich in seinen Arbeiten immer wieder mit modernen Arbeitswelten auseinandersetzt. Ausgangspunkt sind Orte wie Betriebshöfe, Außenlager, Rauchstationen, Lagerregale und Pausenbereiche. Eine biografische Introspektion entfaltet dagegen Frank Mädler in der Galerie Peter Sillem: Seine Schau Selbst verschränkt autobiografische Keramiken mit sensiblen Foto-Serien. In der Galerie Jörg Schuhmacher stehen mit Gefundene Welten die opulent ornamentierten Keramikgefäße von Kati Jünger im Mittelpunkt, gezeigt im Dialog mit Werken der klassischen Moderne.
Die Galerie Maurer präsentiert mit APHOTAL neue skulpturale Objektkästen und Installationen von Birgitta Weimer, die sich kritisch mit dem Anthropozän und dem Ökosystem der Tiefsee auseinandersetzen. Die Goldstein Galerie zeigt mit HUFE. TATZEN. FERSENGANGER. eine Reihung surreal-humorvoller Tierfuß-Skulpturen des Bildhauers Lothar Zaubitzer. Abgerundet wird das Spektrum skulpturaler Positionen durch die ebenfalls in Sachsenhausen gelegene Galerie Perpétuel, die mit Light/A Life Running from the Self's Shadow Objekte und Installationen des Städelschul-Absolventen Att Poomtagon ausstellt.